„Sommer-Gig“, dritter Jugendroman des Autorenduos Paluch/Habeck, lebt im Netz und auf der Bühne weiter
Großenwiehe (sh:z, 16.03.2009).
Den Film zum Buch, das Buch zum Film: Das ist Standard in der multimedialen Verwertungsgesellschaft. Songs zum Film gehören ebenso dazu. Das Schriftstellerpaar Andrea Paluch und Robert Habeck hat es geschafft, dieser Reihe noch etwas hinzuzufügen: Den Soundtrack zum Buch. Die Künstler aus Großenwiehe bei Flensburg fanden es wohl selbst zu ernüchternd, dass am Ende ihres neuesten Romans eine Mädchenband zerbricht: Im Internet lassen sie die Truppe einfach weiterleben – und in wenigen Wochen schicken sie sie sogar im echten Leben auf Tournee.
„Sommer-Gig“ heißt das neue Werk. Ein Jugendroman nach dem erfolgreichen Muster der Vorgänger „Zwei Wege in den Sommer“ und „Unterm Gully liegt das Meer“. Wie dort geht es auch in „Sommer-Gig“ um Abiturienten, die die erste große Liebe und die Freiheiten des Lebens entdecken. Wie in den Vorgängertiteln werden die Protagonisten auf brutale nervliche Bewährungsproben gestellt, erleben einen Spagat zwischen Überschwang und Abgrund. Die Handlung spielt einmal mehr im hochsommerlichen Ostseeraum. Und was das Schönste ist: Auch diesmal gelingt dem Duo der charakteristische Erzählton, der trotz ernster Themen nur so sprüht vor Leichtigkeit. Nichts Anbiederndes, Aufgesetztes ist darin. Paluch und Habeck lassen ihre Figuren so reden wie reale 18-Jährige.
Die Idee zu „Sommer-Gig“ entstand durch gegenseitiges Erzählen – vor anderthalb Jahren im Zimmer der Kopenhagener Jugendherberge, in dem Paluch und Habeck die Mädchengruppe „Penny or Dime“ einquartiert haben. Die vier Mädels haben die Teilnahme an einem europaweiten Wettbewerb für Nachwuchsbands gewonnen. Nicht nur ihr Fahrer Tom, dem Sängerin Penny den Kopf verdreht hat, bringt das Gleichgewicht der jungen Frauen gehörig aus der Balance. Jalal, ein gleichaltriger illegal eingewanderter Afrikaner, bricht ein in die Welt der westlichen Wohlstands-Youngster, stürzt sie in einen Konflikt, wie weit sie bereit sind zu gehen, um ihn vor der Abschiebung zu bewahren. Das beschert dem Buch neben der Frage, ob Penny und Tom sich am Ende kriegen oder nicht, einen zweiten Spannungsbogen.
Klar, dass zu einem Roman über das Innenleben einer Mädchenband Songtexte gehören. Da Andrea Paluch diese als passionierte Klavier- und Querflötenspielerin nicht einfach als Trockenübung dichten mochte, hat sie die Zeilen mit der eigenen Band vertont. Wer „Penny or Dime“-Lieder singt, für den liegt es nahe, sich selbst so zu nennen. Und so lebt die Gruppe weiter, obwohl die Romanhandlung sie sterben lässt. Noch im Buch verspricht Tom, das musikalische Erbe der Mädchen online zu stellen. Eine eigene myspace-Seite und die Website www.penny-or-dime.de sind dabei herausgekommen. Rockige Songs lassen sich anklicken, Bildergalerien und Videos von den Proben. Wer dabei Appetit auf mehr bekommt: Ganz in echt klettert Andrea Paluch mit ihrer Band auf die Bühne: am 19. März in der Kieler Pumpe , am 24. April im Flensburger Kühlhaus, jeweils um 20 Uhr.
Frank Jung
Robert Habeck/Andrea Paluch: Sommergig, Verlag Sauerländer, ISBN 978-3-7941-7075-3, 160 Seiten, Preis: 12,90 Euro