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Das A bis Z der neuen Heimat

Wo ist zu Hause? Künstler, Literaten und Regisseure suchen nach einem neuen Heimatbegriff. Ein Ideenpanorama (Teil I)

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Das Buch "Hauke Haiens Tod" ist eine Adaption von Theodor Storms "Der Schimmelreiter". Seine Autoren, Andrea Paluch und Robert Habeck, erzählen einen wortkargen Krimi im Milieu von Landgewinnung, Deichgrafen und mundfaulen Norddeutschen. Sie selbst leben in einem Dorf bei Flensburg.

Welt am Sonntag In Ihrem Buch geht es um Inzest, Mord, religiösen Wahn. Wie gefährlich ist das Leben auf dem Land?

Robert Habeck Nicht gefährlicher als anderswo. Und wir haben in den letzten Jahren in Hamburg gelebt. Was auf dem Land anders ist: Tratsch, Klatsch, Gerüchte kursieren, jeder kennt Geheimnisse vom anderen, Nebensächlichkeiten kriegen eine größere Bedeutung. Und auch der Alltag hat mystische Momente.

WamS Sie leben mit Ihrer Frau und Ihren drei Söhnen in einem Dorf bei Flensburg. Was halten die Bewohner von Ihrem Buch?

Habeck
Die Wahrnehmung unseres Buches an der Nordseeküste ist durch seinen Storm-Bezug bestimmt. Dort ist das Buch tatsächlich zu einem großen Thema geworden. Allerdings lieben es nicht alle.

WamS
Hat man Ihnen verziehen, dass Sie sich an einem Klassiker vergangen haben?

Habeck
Bei einer Lesung in Husum, wo die Storm-Gesellschaft ihren Sitz hat, blickten wir erst in pikierte Gesichter. Hinterher sagte uns ein wichtiger Storm-Funktionär: "Vielleicht haben Sie mit Ihrer Interpretation die Wahrheit über den Schimmelreiter herausgefunden." Das hatten wir gar nicht gewollt.

WamS
Wie wichtig ist die Tatsache, dass der Roman auf dem Land spielt?

Habeck
Wir haben die Innerlichkeit ausgelagert, wollten keine Gefühlswelten schildern. Dadurch wurde die Landschaft wichtiger, denn was in den Figuren vor sich geht, muss sichtbar werden: Wolken, Regen, Wind.

WamS
Also eine Entscheidung für ländliche Schweigsamkeit statt urbanen Geschwätzes?

Habeck
Wir wollten nicht den Anti-Berlin-Roman schreiben. Die Hauptpersonen sind ein Mann ohne Hauptschulabschluss und eine geistig behinderte Frau. Was uns gereizt hat, war die Frage: Wie verständigen sich zwei Menschen, die kaum sprechen können?

WamS Würden Sie Ihr Buch als Heimatroman bezeichnen?

Habeck
Der Begriff Heimat ist für mich schwierig. Wenn überhaupt, ist es ein Heimat-Psychothriller. Denn das ländliche Milieu, das wir beschreiben, ist nicht heimatlich, sondern unheimlich. as

"Hauke Haiens Tod" von Andrea Paluch und Robert Habeck
(S. Fischer Verlag)


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