www.Single-Generation.de
HABECK legt in seinem Buch einen Generationenbruch nahe. Die Generation Golf wäre demnach die erste Generation, die die Herausforderung einer Vaterschaft unter veränderten Bedingungen annimmt. Was es bedeutet ein guter Vater zu sein, das ist nicht mehr festgelegt, sondern das Ergebnis eines massenhaften Feldversuchs, bei dem ein neues Bewusstsein entsteht. Die anschwellende Flut von Vaterbüchern ist dann Ausdruck eines Selbstverständigungsprozesses, der jedoch nicht unbedingt bei jedem auf Verständnis trifft.
In seinem dritten Kapitel versucht HABECK das weite Feld des väterlichen Engagements abzustecken. Im Gegensatz zu Konservativen betont er dabei nicht die Biologie, sondern die Wichtigkeit des sozialen Prozesses. In diesem Sinne können auch kinderlose Männer eine wichtige Funktion im Leben von Kindern einnehmen. Den Rollentausch beurteilt HABECK aus eigener Erfahrung als Hausmann für Festangestellte skeptisch. In Kombination mit einer freiberuflichen Tätigkeit, die gewisse Spielräume lässt, scheint der Rollentausch eher vorstellbar. Es zeigt sich also, dass sich angesichts der ausdifferenzierten Arbeits- und Erwerbsgesellschaft keine verallgemeinernden Patentrezepten anbieten, sondern gefragt sind Arrangements, die der eigenen Lebens- und Arbeitssituation angepasst sind. Als Vater von vier Söhnen bringt HABECK immer wieder eigene Erfahrungen mit ein oder bezieht sich auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sodass man das Kapitel gewinnbringend lesen kann. Im letzten Kapitel formuliert HABECK politische Horizonte der Familien- und Väterpolitik. Die familienpolitische Kontroverse der letzten Jahrzehnte war immer auch mit der Frage verknüpft, was als Familie betrachtet wird. HABECK geht mit seinem weiten Familienbegriff über das hinaus, was die Grünen noch um die Jahrtausendwende als Familie ansahen, und was damals auf single-generation.de entsprechend kritisiert wurde.
Fazit: Robert Habeck legt mit seinem Buch über die Krise der Vaterschaft einen konsequenten Gegenentwurf zu den neuen Reaktionären vor.
Seit dem Frühjahr der Patriarchen im Jahr 2006 sind nicht wenige Einwürfe erschienen. Viel war auch über einen neuen Feminismus gesprochen worden. Nur die modernen Väter blieben bislang seltsam blass. Mit dem Buch von HABECK ändert sich das nun Gott sei Dank. Das Bild der Väter könnte sich in Zukunft positiv ändern, wenn vermehrt moderne Väter wie HABECK die familienpolitische Debatte prägen würden.
Wenn im Vorfeld des nächsten Bundestagswahlkampfes nicht mehr die Bevölkerungspolitik, sondern wieder die Familienpolitik im Vordergrund stehen würde, dann wäre für diese Gesellschaft viel gewonnen. Das Buch von HABECK lässt hoffen.